RUBRIK: FLUGREISEN

Flugangst – Warum sie entsteht und wie Sie gelassener reisen

Text: Pauline Ulbrich
Layout & Lektorat: Carolin Makus

Bald steht eine großartige Reise in ein anderes Land an – doch statt Vorfreude macht sich Unruhe breit. Schon beim Gedanken an den Flug schlägt Ihr Herz schneller. Sie sorgen sich vor starken Turbulenzen, einer Panikattacke an Bord oder gar vor einem Absturz. Mit diesen Gefühlen sind Sie nicht allein, denn Schätzungen zufolge leiden bis zu 15 % der Deutschen unter einer ausgeprägten Flugangst, weitere 20% fühlen sich im Flugzeug unsicher oder unwohl. (1) Und das, obwohl Fliegen statistisch gesehen die sicherste Art des Reisens ist – deutlich sicherer als Auto oder Bahn. (2)

Warum also fürchten sich so viele Menschen vor dem Fliegen? Welche körperlichen und seelischen Symptome können auftreten? Und vor allem: Wie lässt sich die Flugangst Schritt für Schritt überwinden?

Bild von Fuzz auf Pixabay (Flugbild)

(Bild von Fuzz auf Pixabay)

Was ist Flugangst und wie entsteht sie?

Flugangst hat viele Gesichter: Sie reicht von leichtem Unbehagen bis hin zu heftigen Panikattacken. Bei manchen Menschen ist die Angst so stark ausgeprägt, dass sie das Fliegen völlig vermeiden - in diesem Fall spricht man dann von einer Aviophobie, also von einer spezifischen Angststörung.

Ebenso individuell wie die Ausprägung sind die Ursachen. Flugangst kann auf einer Kombination anderer Ängste beruhen – zum Beispiel Höhenangst, Raumangst oder der Angst, die Kontrolle zu verlieren. Auch negative Erlebnisse oder mediale Berichte über Unfälle und Abstürze können die Angst weiter verstärken.

Nur die wenigsten Menschen fliegen regelmäßig, daher fehlt oft Routine, die Sicherheit vermittelt. Anders als beim Auto- oder Radfahren sind die Geräusche und Bewegungen des Flugzeugs ungewohnt. Jedes Wackeln, jedes Rauschen und jedes noch so kleine Knacken wird wahrgenommen und kann die Unsicherheit schüren.

Wenn die Angst übernimmt – was im Körper passiert

Angst ist eine natürliche Schutzreaktion des Körpers – zu Urzeiten hat sie uns oft vor lebensbedrohlichen Gefahren geschützt und so unser Überleben gesichert. Sobald das Gehirn eine Bedrohung wahrnimmt, schüttet es Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Sie beschleunigen Herzschlag, Blutdruck und Blutzuckerspiegel und bereiten den Körper auf eine vermeintliche Flucht oder Verteidigung vor. (3)

Dabei können genau die körperlichen Symptome entstehen, die Sie vielleicht schon vor oder während eines Flugs wahrgenommen haben: Herzrasen, Zittern, Schwindel, Schwitzen, Übelkeit, Muskelanspannung oder eine flache Atmung. 

Zusätzlich können psychische Symptome auftreten. Dazu gehören zum Beispiel Nervosität, negative Gedanken oder das Gefühl, „nicht ganz da“ zu sein. Besonders, wenn man seltener fliegt oder sensibler auf körperliche Veränderungen reagiert, können all diese Empfindungen deutlich intensiver wahrgenommen werden. 

Hier hilft es, sich immer wieder bewusst zu machen: Diese Reaktionen sind in der Regel harmlos. Ihr Körper möchte Sie schützen. Wer versteht, was passiert, kann oftmals gelassener reagieren. Einfache Atemübungen oder das bewusste Entspannen einzelner Muskelgruppen signalisieren dem Gehirn: „Ich bin sicher.“

Warum Fliegen vergleichsweise sicher ist

Das Flugzeug ist das weltweit sicherste Verkehrsmittel, denn das letzte schwere Unglück eines Passagierflugzeugs in Europa liegt bereits 10 Jahre in der Vergangenheit. Im Jahr 2024 kam es weltweit zu nur 15 größeren Flugunfällen (4) und das bei insgesamt ungefähr 41 Millionen Flügen (5). Die Wahrscheinlichkeit in einen schweren Unfall verwickelt zu sein ist also verschwindend gering.

Vielen Passagier*innen wird vor allem bei Turbulenzen mulmig zumute. Dabei sind sie völlig ungefährlich. Sie sind nichts anderes als Luftwirbel, die entstehen, wenn Luftströmungen aus verschiedenen Richtungen aufeinandertreffen (6). Man könnte sie mit Wellen auf dem Meer vergleichen, denn genau wie Schiffe sind Flugzeuge dafür konstruiert, deutlich stärkeren Belastungen standzuhalten. 

Tipp: Schnallen Sie sich im Flugzeug an, wann immer Sie sitzen. Die meisten Verletzungen durch Turbulenzen entstehen nur, weil Passagier*innen nicht angeschnallt waren.

Zudem werden Flugzeuge vor jedem Flug überprüft und gewartet. Die Crewmitglieder trainieren regelmäßig für den Ernstfall und sind auf die unterschiedlichsten Szenarien vorbereitet. Diese Kombination aus moderner Technik, Erfahrung und internationalen Sicherheitsstandards macht das Fliegen so sicher wie kein anderes Verkehrsmittel.

Nun kennen Sie einige Zahlen und Fakten, die Ihnen vielleicht dabei helfen, Ihre Flugangst besser zu verstehen. Wie viele andere Ängste auch, ist Flugangst allerdings meist nicht rational. Gute Vorbereitung und verschiedene Entspannungstechniken können helfen. 

Vorbereitung ist alles – schon am Boden beginnt die Ruhe

Viele Ängste entstehen aus Unsicherheit, vor allem in ungewohnten Situationen. Eine gute Vorbereitung auf Ihren Flug kann deshalb Wunder bewirken: Struktur und Gelassenheit am Reisetag können das Stressniveau bereits am Boden senken.

Ausreichend Zeit einplanen: Kommen Sie rechtzeitig zum Flughafen, um entspannt das Gepäck aufzugeben und durch die Sicherheitskontrolle zu kommen. 

Einen schönen Sitzplatz auswählen: Mit einem Platz am Gang haben Sie nicht nur mehr Beinfreiheit, sondern können falls nötig auch schneller aufstehen. Auf den Sitzen im vorderen Teil des Flugzeugs sind Turbulenzen weniger spürbar. 

Ausreichend essen & trinken: Achten Sie vor dem Flug darauf, zumindest eine leichte Mahlzeit und ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen. Hunger und Dehydrierung können Übelkeit im Flugzeug begünstigen.

Entspannung üben: Es gibt viele Atemtechniken und Meditationsübungen, die Sie vor dem Flug ausprobieren können. Falls Sie sich während des Flugs unwohl fühlen, haben Sie diese parat und können sich besser entspannen. Hier zwei bewehrte Methoden, die Ihnen helfen können:

Die 4-6-Atmung

Wenn Sie sich unwohl fühlen oder Herzrasen bekommen, kann es helfen sich auf eine ruhige Atmung zu konzentrieren:

  1. Atmen Sie langsam durch die Nase ein und zählen Sie dabei bis vier.
  2. Halten Sie den Atem etwa eine Sekunde an.
  3. Atmen Sie langsam durch den Mund wieder aus und zählen Sie dabei bis sechs.

Diese drei Schritte können Sie so lange wiederholen, bis sich Ihr Herzschlag wieder beruhigt. Versuchen Sie sich während der Übung auf die Bewegung Ihres Brustkorbs zu fokussieren und darauf, wie sich Ihr Körper langsam entspannt.

Fünf Dinge

Um den Fokus in einem Moment der Panik wieder in die Realität zurückzuholen, kann eine Erdungsübung helfen:

  1. Schauen Sie sich um und zählen Sie fünf Dinge, die Sie sehen können.
  2. Als nächstes fokussieren Sie sich auf Ihren Körper: zählen Sie vier Dinge, die Sie spüren können (zum Beispiel einen Luftzug, den Sitz oder Ihre Kleidung).
  3. Nun Geräusche: zählen Sie drei Dinge, die Sie hören können.
  4. Was können Sie riechen? Versuchen Sie zwei Gerüche wahrzunehmen und einzuordnen.
  5. Finden Sie zum Abschluss eine Sache, für die Sie dankbar sind.

Diese Technik kann bei Angst sehr effektiv sein, da sie alle Sinne beansprucht und so das Nervensystem beruhigt.

Ablenkung schaffen: Nehmen Sie sich ein Buch, ein paar Zeitschriften oder ein Kartenspiel mit auf den Flug. Sie können sich auch schöne Musik, ein Hörspiel oder einen spannenden Film herunterladen. All das kann Sie von Ihren negativen Gedanken im Flugzeug ablenken.

Tipp: Packen Sie Ihr Handgepäck so, dass Sie wichtige Gegenstände sofort erreichen können. Wasserflasche, Medikamente oder ein paar kuschelige Socken sollten schnell griffbereit sein.

Gerade für ältere Reisende gibt es einige zusätzliche Punkte, die die Reise angenehmer und sicherer machen können:

Sprechen Sie vorher mit Ihrer Hausärztin / Ihrem Hausarzt: Besonders bei Vorerkrankungen kann ein kurzes Gespräch über die Flugtauglichkeit sinnvoll sein.

Assistenzservices nutzen: Die meisten Flughäfen bieten Assistenzservices, wie einen Begleitservice oder gesonderte Sicherheitskontrollen mit Barrierefreiheit an. Informieren Sie sich dazu am besten bei Ihrer Fluglinie oder auf der Webseite des Flughafens.

Über den Wolken die Ruhe bewahren

Nun ist es so weit, das Boarding beginnt und die Aufregung steigt. Auch während des Flugs können Sie einiges tun, um Ihre Anspannung zu vermindern. 

Sprechen Sie mit der Crew: Das Flugzeugpersonal ist dafür ausgebildet, Menschen mit Flugangst zu unterstützen. Sollten Sie sich unwohl fühlen, sprechen Sie ein Crewmitglied an und beschreiben Sie Ihre Situation.

Stehen Sie auf: Manchmal kann schon etwas Bewegung dabei helfen, sich zu entspannen. Sind die Anschnallzeichen erloschen, können Sie den Gang auf- und ablaufen (das fördert zusätzlich die Durchblutung und regt den Kreislauf an).

Fokussieren Sie sich auf den Moment: Versuchen Sie den Ausblick über die Wolken zu genießen oder führen Sie eine entspannte Unterhaltung mit Ihrem Sitznachbarn. bzw. mit Ihrer Sitznachbarin.

Wenn die Angst zu groß wird – Anlaufstellen bei Aviophobie

Flugangst ist weit verbreitet und kein Grund für Scham. Wird die Angst allerdings so groß, dass sie Reisen verhindert und Urlauben im Weg steht, lohnt sich professionelle Unterstützung.

Viele Fluglinien bieten Flugangst-Seminare an. Hier sprechen Psycholog*innen und Pilot*innen über den Flugablauf, sie können Fragen stellen und lernen die Funktionsweise von Flugzeugen kennen. Ein Beispiel hierfür ist das Lufthansa Aviation Training. Bei einigen Seminaren haben Sie sogar die Möglichkeit, sich in Flugsimulatoren mit Ihren Ängsten zu konfrontieren.

Eine weitere Möglichkeit ist es, eine psychologische Beratung wahrzunehmen. Ein*e Therapeut*in kann Sie mit einer Verhaltens- oder Konfrontationstherapie dabei unterstützen, Ihre Flugangst zu ergründen und zu überwinden.

Unterstützend können Sie auch auf Beruhigungsmittel zurückgreifen, vor allem wenn Sie nach einer kurzfristigen Lösung suchen. Dies sollten Sie allerdings nur im Notfall und nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt tun. Längerfristig sind Medikamente keine Option, um eine Flugangst zu bekämpfen.

Reisen im Alter – Gelassenheit als Stärke

Im zunehmenden Alter verändert sich vieles, sowohl körperlich als auch mental. Viele Menschen verlieren das Vertrauen in sich selbst und vermeiden deshalb unbekannte Situationen. Dabei wird eines oft übersehen: mit dem Alter wächst etwas sehr Wertvolles – die Lebenserfahrung. 

Wie viele Situationen haben Sie in Ihrem Leben schon gemeistert, in denen Sie Courage und Beständigkeit beweisen mussten? Mit Ihren Erfahrungen und Fertigkeiten sind Sie bestens gewappnet, um der Angst vor dem Fliegen entgegenzutreten und sie zu überwinden.

Fazit – Mut zum Aufbruch

Reisen erweitert den Horizont: Das Kennenlernen von anderen Kulturen, das Probieren von neuen Köstlichkeiten und das Ausbrechen aus dem Alltag sind das Überwinden der Flugangst wert. 

Erlauben Sie sich, die Dinge in Ihrem Tempo anzugehen und respektieren Sie dabei die eigenen Grenzen. Mit etwas Zeit, ausreichend Planung und ein bisschen Mut können auch Sie es schaffen, Ihre Flugangst zu überwinden. Am Ende zählt nur das, was Sie auf dem anderen Ende erwartet: neue Orte, neue Begegnungen und der Stolz, dass Sie sich Ihrer Angst gestellt haben.

Vertrauen Sie sich Therapeut:innen, Ärzt:innen, Freund:innen und Bekannten an. Ein starkes Team gibt Ihnen Rückenwind und neuen Reisemut.

Quellen

  1. ADAC (2025): Flugangst: Das können Sie dagegen tun, https://www.adac.de/gesundheit/gesund-unterwegs/flugzeug-schiff/flugangst/ [zuletzt abgerufen am 11.10.2025]
  2. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2011: Unfallstatistik – Verkehrsmittel im Risikovergleich, https://www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2010/12/unfallstatistik-122010.pdf [zuletzt abgerufen am 11.10.2025]
  3. AOK (2023): Was sind Stresshormone und wie wirken Sie im Körper?, https://www.aok.de/pk/magazin/wohlbefinden/stress/stresshormone-die-funktion-von-adrenalin-noradrenalin-und-cortisol/ [zuletzt aufgerufen am 11.10.2025]
  4. Statista (2025): Flugzeugabsturz und Sicherheit in der Luftfahrt – Statistiken und Fakten, https://de.statista.com/themen/129/flugzeugabsturz/#topicOverview [zuletzt abgerufen am 11.10.2025]
  5. Statista (2025): Anzahl der Flüge in der weltweiten Luftfahrt von 2014 bis 2024, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/411620/umfrage/anzahl-der-weltweiten-fluege/ [zuletzt abgerufen am 11.10.2025]
  6. Zdfheute (2025): Wie gefährlich sind Turbulenzen?, https://www.zdfheute.de/panorama/turbulenzen-flugzeug-absturz-sicherheit-faq-100.html [zuletzt abgerufen am 11.10.2025]

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