RUBRIK: Alterssicherung

Alterssicherung in der zweiten Lebenshälfte: Zustimmung zu Gleichheit & Äquivalenz

Text: Carolin Makus
Layout: Carolin Makus

Positive Grundhaltung zur Altersvorsorge

Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Zentrums für Altersfragen beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen zwischen 43 und 90 Jahren ihre Altersvorsorge und die damit verbundenen Prinzipien der sozialen Sicherung beurteilen. Die Ergebnisse zeigen zunächst, dass eine grundsätzlich pessimistische Haltung gegenüber der finanziellen Absicherung im Alter nur bei einem vergleichsweise kleinen Teil der Befragten zu finden ist. Die überwiegende Mehrheit ist der Ansicht, dass es sinnvoll und lohnenswert ist, rechtzeitig für das eigene Alter vorzusorgen.

Gleichheit und Leistungsprinzip als zentrale Vorstellungen

Bei den Vorstellungen über eine gerechte Gestaltung der Alterssicherung nimmt das Prinzip der Gleichheit eine besonders wichtige Stellung ein. Viele Befragte wünschen sich, dass der Staat dazu beiträgt, Unterschiede bei den Einkommen im Alter zu verringern. Gleichzeitig wird jedoch auch das sogenannte Äquivalenzprinzip befürwortet. Demnach soll sich die Höhe der späteren Rente grundsätzlich daran orientieren, wie hoch das zuvor erzielte Einkommen beziehungsweise die geleisteten Beiträge waren. Die persönliche Verantwortung für die eigene Altersvorsorge erhält ebenfalls Zustimmung, fällt im Vergleich zur Forderung nach mehr Einkommensgleichheit jedoch etwas geringer aus. Noch weniger Unterstützung findet die Vorstellung, dass die gesetzliche Rentenversicherung ausschließlich eine grundlegende Mindestversorgung gewährleisten sollte.

Unterschiede zwischen den Altersgruppen

Die Einstellungen unterscheiden sich teilweise je nach Lebensalter. Menschen ab 76 Jahren messen der individuellen Verantwortung für die finanzielle Absicherung im Alter eine größere Bedeutung bei als jüngere Befragte. Gleichzeitig unterstützen sie häufiger die Auffassung, dass der Staat lediglich eine grundlegende Versorgung sicherstellen sollte. Besonders zurückhaltend gegenüber diesem Ansatz zeigen sich hingegen Personen zwischen 56 und 65 Jahren, die sich damit am wenigsten für eine Beschränkung der gesetzlichen Rente auf die reine Grundsicherung aussprechen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Zwischen Frauen und Männern sind die Unterschiede insgesamt eher gering. Dennoch zeigen sich einige Tendenzen: Frauen legen größeren Wert auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Alterseinkommen. Das Prinzip, nach dem sich die Rentenhöhe am vorherigen Einkommen orientiert, beurteilen sie etwas kritischer als Männer. Zudem äußern Frauen im Vergleich zu Männern etwas häufiger eine skeptische Haltung gegenüber den eigenen Möglichkeiten der Altersvorsorge.

Einfluss der finanziellen Situation

Besonders deutlich werden die Unterschiede bei Betrachtung der finanziellen Lage. Menschen, die von Armut bedroht sind, sprechen sich häufiger für eine stärkere Angleichung der Einkommen im Alter und für eine staatliche Absicherung des grundlegenden Lebensbedarfs aus. Gleichzeitig stehen sie der individuellen Verantwortung für die Altersvorsorge am kritischsten gegenüber. Auch das Äquivalenzprinzip wird von dieser Gruppe seltener als gerecht wahrgenommen. Darüber hinaus sind armutsgefährdete Personen hinsichtlich ihrer eigenen Altersvorsorge deutlich pessimistischer als Menschen mit mittleren oder hohen Einkommen. Bei Personen mit hohem Einkommen zeigt sich hingegen überwiegend das entgegengesetzte Bild, während Menschen mit mittleren Einkommen eine Position zwischen den beiden Gruppen einnehmen.

Bedeutung des Bildungsniveaus

Auch der Bildungsgrad beeinflusst die Einstellungen in gewissem Maße. Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss unterstützen die Forderung nach mehr Gleichheit bei den Alterseinkommen etwas weniger stark als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau. Gleichzeitig fällt die Skepsis gegenüber der eigenen Altersvorsorge bei Personen mit höherer Bildung geringer aus. Am pessimistischsten blicken dagegen Menschen mit niedrigerem Bildungsstand auf ihre Vorsorgemöglichkeiten.

Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind insgesamt vergleichsweise gering. Dennoch zeigen sich auch hier gewisse Abweichungen. Menschen in Ostdeutschland befürworten die Vorstellung einer individuellen Verantwortung für die Altersvorsorge etwas weniger stark und sind hinsichtlich ihrer Vorsorgesituation tendenziell skeptischer als Menschen in Westdeutschland.

Zusammenfassende Betrachtung

Zusammenfassend machen die Untersuchungsergebnisse deutlich, dass die Vorstellungen über eine gerechte Alterssicherung von mehreren, teilweise miteinander konkurrierenden Prinzipien geprägt sind. Einerseits besteht ein ausgeprägter Wunsch nach staatlicher Unterstützung und einem Abbau von Einkommensunterschieden im Alter. Andererseits wird es ebenfalls als gerecht angesehen, dass sich unterschiedliche Erwerbseinkommen beziehungsweise Beitragsleistungen in der späteren Rentenhöhe widerspiegeln. Die Bedeutung von Eigenverantwortung und staatlicher Grundsicherung wird dagegen je nach Alter, Einkommen und Bildungsstand unterschiedlich bewertet. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass die Mehrheit der Menschen in der zweiten Lebenshälfte der eigenen Altersvorsorge nicht grundsätzlich pessimistisch gegenübersteht.

Quelle

  • Grundlage ist die Veröffentlichung von J. Simonson, O. Platt und M. Weinhardt (2026): „Einstellungen zur Alterssicherung in der zweiten Lebenshälfte: Hohe Zustimmung zu Gleichheit und Äquivalenzprinzip“, DZA Aktuell 02/2026, Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin. Online abrufbar, hier: https://www.dza.de/detailansicht/einstellungen-zur-alterssicherung (zuletzt abgerufen am: 27.08.2026)
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